Sozialismus

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Sozialismus

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So|zi|a|lis|mus [zotsŐģiŐĮa'l…™sm äs], der; -:
politische Lehre und darauf beruhende Richtung oder Bewegung, die den gesellschaftlichen Besitz der Produktionsmittel und eine gerechte Verteilung der G√ľter an alle Mitglieder der Gemeinschaft verficht:
die Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Kapitalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Syn.: ‚ÜĎ Kommunismus.

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So|zi|a|liŐ£s|mus ‚Ć©m.; -; unz.‚Ć™ Bewegung gegen den wirtschaftl. u. politischen Liberalismus, die dem Arbeitnehmer mehr Einfluss auf die Verwendung der Produktionsmittel u. damit eine gr√∂√üere pers√∂nl. Unabh√§ngigkeit u. soziale Sicherheit geben will ‚óŹ demokratischer \Sozialismus Bewegung, die den S. mit den b√ľrgerlichen Freiheiten zu verbinden sucht; utopischer \Sozialismus ‚Ć©Marxismus‚Ć™ vormarxistische S.modelle; Ggs Realsozialismus; wissenschaftlicher \Sozialismus Theorie des Marxismus-Leninismus √ľber die sozialistische Gesellschaft

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So|zi|a|liŐ£s|mus , der; -, ‚Ķmen [engl. socialism, frz. socialisme]:
1. <o. Pl.> (nach Karl Marx die dem Kommunismus vorausgehende) Entwicklungsstufe, die auf gesellschaftlichen od. staatlichen Besitz der Produktionsmittel u. eine gerechte Verteilung der G√ľter an alle Mitglieder der Gemeinschaft hinzielt:
der real existierende S. (DDR; der [in den sozialistischen Ländern] verwirklichte Sozialismus);
den S. aufbauen;
unter dem S. leben.
2. <Pl. selten> politische Richtung, Bewegung, die den gesellschaftlichen Besitz der Produktionsmittel u. die Kontrolle der Warenproduktion u. -verteilung verficht:
der demokratische, b√ľrokratische S.

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I
SozialiŐ£smus
 
der, -, im 19. Jahrhundert entstandene, v. a. von der Arbeiterbewegung getragene, heute ideologisch unterschiedlich akzentuierte und politisch vielf√§ltig organisierte Bewegung. Der Sozialismus will eine auf Gleichheit, Solidarit√§t und Gerechtigkeit beruhende Gesellschaft verwirklichen und steht dabei der auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhenden Wirtschaftsweise des Kapitalismus kritisch, vielfach v√∂llig ablehnend gegen√ľber. In einem weiten Bogen zwischen Reform der kapitalistischen Wirtschaftsweise und dem Umsturz einer auf ihr beruhenden Gesellschaftsordnung suchen die Verfechter des Sozialismus, die Sozialisten, sowie die von ihnen getragenen Gewerkschaften und Parteien (sozialistische und sozialdemokratische Parteien; kommunistische Parteien) ihre gesellschaftlichen Vorstellungen zu verwirklichen.
 
 Ziele
 
Im Sinne ihres tendenziell optomistischen Menschenbildes, das Gedanken des Humanismus aufnimmt, suchen die verschiedenen Spielarten des Sozialismus mit der Neuordnung des sozio√∂konomischen Bereichs die mit der Entwicklung der Industriegesellschaft verbundenen Missst√§nde (soziale Frage) theoretisch zu analysieren und praktisch zu l√∂sen. Ziel aller sozialistischen Ideen, Bewegungen und Organisationen ist die Begr√ľndung einer Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, in der die von der Franz√∂sischen Revolution von 1789 aufgestellten Grunds√§tze der Freiheit, Gleichheit und Br√ľderlichkeit f√ľr alle Angeh√∂rigen und Gruppen der Gesellschaft realisiert sind.
 
Die radikaleren Verfechter des Sozialismus fordern die Umgestaltung der Eigentumsverfassung besonders durch die Sozialisierung des Eigentums an den Produktionsmitteln oder durch allgemeine G√ľterverteilung, durch Beseitigung des arbeitslosen Einkommens aus Grundrente und Kapitalzins, durch Beseitigung oder starke Beschr√§nkung des Erbrechts. Sie setzen an die Stelle von privatwirtschaftlichen Produktionsst√§tten Genossenschaften auf der Basis der Belegschaft (z. B. ¬ĽArbeiterproduktivgenossenschaften¬ę) oder gemeinwirtschaftliche Unternehmensformen (Gemeinwirtschaft). Sie treten ein f√ľr die ausschlie√üliche oder vorwiegende Planung und Lenkung der G√ľterversorgung und -verteilung durch den Staat (Zentralverwaltungswirtschaft, Planwirtschaft). Die gem√§√üigteren Vertreter des Sozialismus lassen im Prinzip das Institut des Privateigentums an den Produktionsmitteln bestehen, streben aber Gewinnbeteiligung, Mitbestimmung und Miteigentum der Arbeitnehmer an. Neben Produktionsst√§tten auf privatwirtschaftlicher Basis suchen sie gemeinwirtschaftliche Formen zu entwickeln. Dar√ľber hinaus m√∂chten sie mit (mehr oder weniger intensiven) planerischen Eingriffen die marktwirtschaftliche Ordnung steuern.
 
Die radikaleren Verfechter des Sozialismus verfolgen ihre Ziele meist auf dem Weg der Revolution (revolutionäre Sozialisten), so die Vertreter des Marxismus, besonders des Marxismus-Leninismus, des Anarchismus, Syndikalismus und Gildensozialismus.
 
Die gem√§√üigten Kr√§fte des Sozialismus suchen ihre Ziele auf dem Wege von Reformen zu verwirklichen (reformistische Sozialisten); zwischen beiden Grundrichtungen gibt es √úberg√§nge (z. B. die Verfechter system√ľberwindender Reformen). Im Gegensatz v. a. zu den zentralen Vorstellungen des Marxismus-Leninismus orientiert sich der demokratische Sozialismus √ľber die sozialistischen Grundwerte Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarit√§t hinaus auf die freie Entfaltung aller Individuen in einer Gesellschaft sowie auf die demokratische Mitwirkung aller Mitglieder der Gesellschaft. Er sucht auf der Grundlage einer parlamentarisch-demokratischen Verfassungsordnung und eines rechtsstaatlichen Systems sowie im Rahmen eines gesellschaftlichen und weltanschaulichen Pluralismus eine solidarische Gesellschaft zu verwirklichen, und zwar auf dem Wege einer umfassenden, die politische Demokratie vollendenden Demokratisierung der Wirtschafts- und Sozialordnung. In den Vorstellungen von einem demokratischen Sozialismus differieren jedoch Auffassungen z. B. dar√ľber erheblich, in welchem Umfang Eigentum an den Produktionsmitteln sozialisiert werden soll, welche Formen der Vergesellschaftung gew√§hlt werden sollen, wie gro√ü die Unabh√§ngigkeit der Produktionseinheiten (Betriebe oder Genossenschaften) von staatlicher Planung und Kontrolle sein solle, aber auch, in welchem Ma√üe eine sozialistisch bestimmte Marktwirtschaft gesamtgesellschaftlicher Planung und Kontrolle unterworfen werden m√ľsse.
 
 Geschichtliche Entwicklung
 
Der Fr√ľhsozialismus der vormarxistischen Zeit, beeinflusst von der aufkl√§rerischen Idee einer allgemeinen Weltverbesserung, trat v. a. in Frankreich auf (F. Babeuf, √Čtienne Cabet, * 1788, ‚úĚ 1856) und trug utopische Z√ľge (utopischer Sozialismus); Gleiches gilt f√ľr die Ideen W. Weitlings in Deutschland. Manche dieser Vorstellungen gingen in die anarchosyndikalistische Bewegung in Frankreich, Spanien und Italien ein; sie finden sich auch sp√§ter im Marxismus.
 
Neben diesen mehr utopischen Entw√ľrfen zielte nach der franz√∂sischen Julirevolution (1830) bei C. H. de Saint-Simon, J. C. L. Simonde de Sismondi, L. Blanc und P.-J. Proudhon die Kritik an den konkreten Eigentumsverh√§ltnissen auf Verbesserung der sozialen Lage Not leidender Zwischenschichten (kleine Handwerker, Landlose, Proletarier). Unter Anwendung entwicklungsgeschichtlicher Denkelemente konzipierte man eine sozialistische Wirtschaftsordnung (z. B. Arbeiterassoziationen), die jede Ausbeutung unm√∂glich machen sollte und in der jeder entsprechend seinen F√§higkeiten und seiner Leistung entlohnt werden w√ľrde. Bei C. Fourier trat, ebenso wie bei R. Owen in Gro√übritannien, der Gedanke in den Vordergrund, die Gesellschaft der Zukunft m√ľsse durch genossenschatliche Organisationsformen der Arbeiter bestimmt werden (Genossenschaftssozialismus).
 
Die Theoretiker des Staatssozialismus wollten √ľber den Einsatz staatlicher Machtmittel die gesellschaftlichen Missst√§nde beseitigen. J. K. Rodbertus erblickte in der Monopolstellung der Kapitalisten und Grundbesitzer und dem darauf beruhenden ¬ĽGesetz der fallenden Lohnquote¬ę die Ursache der Verelendung gro√üer Teile der Bev√∂lkerung. Das kapitalistische Wirtschaftssystem bildete ihm zufolge jedoch nur eine √úbergangsphase auf dem Weg zur Staatswirtschaft ohne Grund- und Kapitaleigentum. Auch F. Lassalle, der unter √úbernahme der Lohntheorie D. Ricardos die Formel vom ¬Ľehernen Lohngesetz¬ę pr√§gte, sah die L√∂sung der sozialen Probleme in der politischen und sozialen Integration der Arbeiter und in der nachfolgenden Umwandlung der kapitalistischen Wirtschaft in eine staatssozialistische mittels staatlich subventionierter Arbeiterproduktivgenossenschaften.
 
K. Marx und F. Engels suchten unter dem Anspruch eines wissenschaftlichen Sozialismus auf der Grundlage einer materialistischen Geschichtsauffassung den Beweis zu erbringen, dass die kapitalistische Gesellschaftsordnung aus den ihr immanenten Bewegungsgesetzen zusammenbrechen werde und durch die proletarische Revolution in eine sozialistische Gesellschaft umgewandelt werden m√ľsse; diese finde ihrerseits in der klassenlosen Gesellschaft ihre Vollendung. Der Marxismus erlangte im 20. Jahrhundert weltgeschichtliche Bedeutung, v. a. in der von Lenin geschaffenen Form des Marxismus-Leninismus. Im Ablauf des Klassenkampfes ist nach Lenin Sozialismus jene Phase der Geschichte, in der nach erfolgreicher Revolution das Proletariat, gest√ľtzt auf die ¬ĽPartei neuen Typs¬ę (die kommunistische Partei), als f√ľhrende Klasse den √úbergang zum Kommunismus, zur klassenlosen Gesellschaft, vollzieht.
 
Die Abkehr reformistischer Gruppen vom revolution√§ren Sozialismus fand ihren ersten Niederschlag im Revisionismus (E. Bernstein), der die Sozialdemokratie von der Revolutionserwartung zur reformorientierten Mitarbeit in Staat und Gesellschaft lenkte. In Gro√übritannien, wo der doktrin√§re Sozialismus nie eigentlich heimisch wurde, entwickelte die Fabian Society im bewussten Gegensatz zum Marxismus ein reformistisches Programm, das 1918 von der Labour Party aufgenommen wurde. In Auseinandersetzung v. a. mit der leninschen Auspr√§gung des Marxismus bem√ľhten sich im 20. Jahrhundert marxistische Theoretiker, im R√ľckgriff auf die Fr√ľhschriften von Marx dessen Werk neu zu deuten (Neomarxismus). Im Gegensatz zur reformistischen Praxis der sozialdemokratischen oder sozialistischen Parteien wie auch zum angewandten Marxismus-Leninismus der kommunistischen Parteien und Staaten entstand in den parlamentarisch-demokratisch verfassten Staaten seit etwa 1960 - in enger Wechselbeziehung zum Neomarxismus - die neue Linke. Unter radikaler Kritik an der Marktwirtschaft der hoch industrialisierten Staaten Westeuropas und Nordamerikas auf der einen Seite und der entschiedenen Infragestellung der theoretischen Konzeptionen der ¬Ľalten Linken¬ę auf der anderen Seite (besonders der sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien) suchte sie im Kampf gegen die ¬Ľkapitalistische Konsumgesellschaft¬ę neue revolution√§re Strategien zu entwickeln. Ihre Kritik an der Konsumgesellschaft beeinflusste stark die in den 70er-Jahren sich entfaltende Alternativ- und √Ėkologiebewegung, die ein neues Verh√§ltnis von Wirtschaftsordnung und Umweltgestaltung fordert.
 
In Auseinandersetzung mit Ideologie und Praxis des Marxismus-Leninismus stellten seit dem Ende der 60er-Jahre einige kommunistischen Parteien, besonders die italienische und spanische KP, Grundpositionen des Marxismus-Leninismus (z. B. Diktatur des Proletariats) infrage (Eurokommunismus). Innerhalb der in der Tschechoslowakei regierenden KP entwickelten sich 1968 Vorstellungen von einem ¬ĽSozialismus mit menschlichem Antlitz¬ę: Ideen, die jedoch noch im selben Jahr mit Waffengewalt unterbunden wurden. Mit der seit Mitte der 80er-Jahre eingeleiteten ¬ĽPerestroika¬ę suchte M. S. Gorbatschow unter Berufung auf die leninsche Interpretation des Marxismus die v. a. von Stalin geschaffenen b√ľrokratisch-diktatorischen Strukturen in der sowjetischen Gesellschaft abzubauen. Der Sozialismus marxistisch-leninistischer Pr√§gung geriet jedoch besonders in Europa in eine Krise, in deren Folge die kommunistischen Herrschaftssysteme und die UdSSR selbst zusammenbrachen.
 
Sozialistischer Theoretiker der Dritten Welt (z. B. L. S. Senghor, J. Nyerere) bem√ľhten sich, die in den Industriestaaten Europas formulierten Ziele des Sozialismus mit Gesellschaftsmustern zu verbinden, die in der eigenen Gesellschaft wurzeln. In der dort sich vollziehenden staatlichen Emanzipation von der Kolonialherrschaft europ√§ischer Staaten verband sich in diesen L√§ndern mit dem Sozialismus oft ein starker Nationalismus. Unter dem Einfluss sozialrevolution√§rer Theoretiker (besonders Mao Zedong, F. Fanon E. ¬ĽChe¬ę Guevara Serna) entstanden in Asien, Afrika und Lateinamerika Guerillabewegungen, die sozialistische und nationalistische Ziele auf revolution√§rem Weg verwirklichen wollten.
 
In der Ideengeschichte des Sozialismus haben immer wieder √ľberzeugte Vertreter des Christentums versucht, christliche sozialethische Bestrebungen mit gesellschaftlichen Zielsetzungen des Sozialismus zu verbinden. So sollten sich etwa nach Saint-Simon alle Menschen als ¬ĽChristen neuer Pr√§gung¬ę gegenseitig wie Br√ľder behandeln. Die ihnen gemeinsame christliche Sittenlehre w√ľrde dann das Los der √§rmeren Klassen verbessern. Im Rahmen sp√§terer christlich-sozialer Bewegungen steht auch die Arbeit des Schweizers L. Ragaz. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor der religi√∂se Sozialismus gegen√ľber dem wachsenden Einfluss der dialektischen Theologie an Bedeutung.
 
 
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, des (in seinem Selbstverst√§ndnis) ¬Ľreal existierenden Sozialismus¬ę, st√∂√üt eine Bestandsaufnahme des Sozialismus auf begriffliche Schwierigkeiten; der Sozialismus als Idee sowie als soziale und politische Bewegung ist zwar von diesen Entwicklungen seit 1989/90 weniger betroffen als der Kommunismus als Ideologie und Herrschaftssystem und der Marxismus als Wirtschafts- und Gesellschaftstheorie, gleichwohl aber im Kern ber√ľhrt. Es stellt sich die Frage, inwieweit der Sozialismus als Leitidee einer auf Gleichheit, Solidarit√§t und Gerechtigkeit beruhenden Gesellschaft und einer entsprechenden politischen Ordnung weiterhin G√ľltigkeit besitzt. Bei dem Versuch, diese Frage zu beantworten, l√§sst sich verdeutlichen, dass das eigentliche Problem des Sozialismus im ¬Ľpostkommunistischen Sozialismus¬ę liegt, der vom demokratischen Sozialismus westlicher Pr√§gung zu unterscheiden ist.
 
Geistesgeschichtlich gesehen, verlor der Neomarxismus seine Ausstrahlungskraft in den 80er-Jahren zugunsten der √Ėkologie- und Friedensbewegung, der B√ľrgerinitiativen und neuen sozialen Bewegungen. Die Grundwerte des demokratischen Sozialismus standen nach den heftigen Debatten der 70er-Jahre in der Zeit der ¬ĽWende¬ę 1989/90 unter keinem Ver√§nderungsdruck. Nach dem Scheitern der staatssozialistischen Regierungssysteme im √∂stlichen Europa trat die Tatsache st√§rker in den Vordergrund, dass Marktwirtschaft auf der einen Seite und der politische Wunsch nach Verst√§rkung basisdemokratischer Elemente und direktdemokratischer Verfahren im demokratischen Sozialismus miteinander kompatibel sind.
 
Die Frage, inwieweit die Ideen des Sozialismus, Kommunismus und Marxismus noch tragf√§hig sind, stellt sich vornehmlich f√ľr alle Versuche, einen ¬Ľpostkommunistischen Sozialismus¬ę zu begr√ľnden. Diese schreiben √ľberkommene sozialistischen Grunds√§tze radikaler fest als der demokratische Sozialismus; die Leitgedanken werden durch negative Erfahrungen zwar in ihrer Konkretisierung problematisiert, in ihrem Grundgehalt aber als weiterhin g√ľltig aufgewiesen. In der postkommunistischen Diskussion werden verschiedene Argumentationsmuster gepflegt: 1) Der Kapitalismus sei zwar √∂konomisch effizienter als der Sozialismus, aber ungeeignet, um globalen Gef√§hrdungen zu begegnen; Fehlleistungen des ¬Ľreal existierenden Sozialismus¬ę in der Umweltfrage h√§tten sich aus der Konkurrenz zum Kapitalismus ergeben. 2) Die Vorstellung einer solidarischen Gesellschaft ohne Ausbeutung und Klassengegens√§tze sei nicht dadurch desavouiert, dass diese Ziele in konkreten Situationen mit ihren Zw√§ngen nicht erreicht wurden; nicht die Theorie sei falsch, sondern ihre praktische Anwendung in der Vergangenheit. 3) √Ėkonomisch sei der Sozialismus das Korrektiv in einer auf Wettbewerb reduzierten kapitalistischen Gesellschaft, politisch das Korrektiv in einer sich verselbstst√§ndigenden Repr√§sentativdemokratie, in der die politische Klasse herrsche, ungeachtet des Wechsels ihrer Eliten. 4) Ohne die Utopie des Sozialismus h√§tte sich der Kapitalismus nie eine soziale Komponente zu Eigen gemacht; Ausbeutung, Unterdr√ľckung und Entfremdung seien jedoch auch in der sozialen Marktwirtschaft keineswegs √ľberwunden.
 
 
Gesch. des S., hg. v. J. Droz, 17 Bde. (a. d. Frz., 1974-84);
 W. Hofmann: Ideengesch. der sozialen Bewegung des 19. u. 20. Jh. (61979);
 Gerd Meyer: Sozialist. Systeme (1979);
 
Der S. an der Schwelle zum 21. Jh., hg. v. M. Nikolińá, 2 Bde. (1985);
 
Lex. des S., hg. v. Thomas Meyer u. a. (1986);
 K. T. Schuon: Polit. Theorie des demokrat. S. (1986);
 W. Theimer: Gesch. des S. (1988);
 
S. in Europa - Bilanz u. Perspektiven, hg. v. H. Grebing u. a. (1989);
 U.-J. Heuer: Marxismus u. Demokratie (Neuausg. 1990);
 B. Wehner: Der lange Abschied vom S. (1990);
 
Eckpunkte moderner Kapitalismuskritik, hg. v. F. Deppe u. a. (1991);
 Thomas Meyer: Demokrat. S. - Soziale Demokratie (31991);
 Thomas Meyer: Was bleibt vom S.? (1991);
 E. K. Scheuch: Muß S. mißlingen? (1991);
 G.-J. Glaeßner: Demokratie nach dem Ende des Kommunismus (1994);
 
Historisch-krit. Wb. des Marxismus, hg. v. W. F. Haug, auf mehrere Bde. ber. (1994 ff.);
 
Der Umbruch in Osteuropa als Herausforderung f√ľr die Philosophie, hg. v. B. Heuer u. M. Prucha (1995);
 
Zur Kritik der dt.-dt. √Ėkonomie. Konzeptionen, Positionen u. Methoden wirtschaftswiss. Forschung in Ost u. West, hg. v. C. Warnke (1996).
 
II
Sozialismus
 
Die europ√§ischen Revolutionen des Jahres 1848 waren noch weitgehend vom liberalen B√ľrgertum ausgel√∂st worden, das selbstbewusst den Anspruch anmeldete, k√ľnftig an der Gestaltung des √∂ffentlichen Lebens in Staat und Gesellschaft beteiligt zu werden. Als sich jedoch das B√ľrgertum im weiteren Verlauf der revolution√§ren Vorg√§nge aus Furcht vor der sich schon ank√ľndigenden, unkontrollierbaren Eigendynamik der Revolution mit den wiedererstarkten staatlichen Gewalten arrangierte, ging der Gedanke der Revolution auf die Industriearbeiterschaft √ľber, die im Begriff war, sich als Arbeiterbewegung zu organisieren.
 
Als Gegenbewegung zum b√ľrgerlichen Liberalismus entstanden die Ideen des Sozialismus. Die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung hatte bisher f√ľr die gro√üe Masse der lohnabh√§ngigen Arbeiter nur Armut und Rechtlosigkeit, Unterdr√ľckung und Ausbeutung gebracht. Demgegen√ľber entwarf der Sozialismus das Bild einer Welt, in der soziale Gleichheit und Gerechtigkeit f√ľr alle garantiert wurden, ferner allgemeiner Friede und V√∂lkervers√∂hnung.
 
Es galt zun√§chst, die soziale Lage der Arbeiterschaft zu verbessern, politische Rechte zu erk√§mpfen und durch eine gerechte Eigentums- und Gesellschaftsordnung umfassende soziale Sicherheit f√ľr alle zu gew√§hrleisten.
 
In dem im Februar 1848 in London ver√∂ffentlichten Kommunistischen Manifest war von den Verfassern, den deutschen Revolution√§ren Karl Marx und Friedrich Engels, der Arbeiterklasse die f√ľhrende Rolle im Kampf um die Verwirklichung der Ziele des Sozialismus zugewiesen worden. Die von Marx und Engels entwickelten Thesen des wissenschaftlichen Sozialismus (bzw. des Historischen Materialismus) hatten in den europ√§ischen Revolutionen des Jahres 1848 mit Ausnahme Frankreichs kaum Beachtung erlangt. Erst in den letzten Aufst√§nden des Jahres 1849 zeigten sich erste sozialistische Tendenzen im Widerstand gegen das von den Ordnungsm√§chten eingesetzte Milit√§r.
 
Von Beginn an bildeten sich innerhalb des Sozialismus unterschiedlichste Denkans√§tze heraus √ľber die zur Verwirklichung der angestrebten Ziele einzuschlagende Strategie. Sie schwankten zwischen der Hoffnung, auf legalem Weg Reformen erreichen und soziale Verbesserungen durchsetzen zu k√∂nnen, und der √úberzeugung, nur mit der revolution√§ren Aktion, dem gewaltsamen Umsturz den Sieg des Sozialismus zu erringen. Diese Gegens√§tze sorgten auch in den sich jetzt √ľberall herausbildenden Arbeiterparteien f√ľr st√§ndige Fl√ľgelk√§mpfe und gef√§hrdeten die Geschlossenheit der Arbeiterbewegung, die die soziale Gleichheit aller Menschen, V√∂lker und Rassen zu ihrer Grundforderung erhob und die internationale Solidarit√§t der Arbeiterschaft anstrebte. An diesem Gegensatz scheiterte bereits wenige Jahre nach ihrem Zusammenschluss die Erste Internationale.
 

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So|zi|a|liŐ£s|mus, der; -, ...men [engl. socialism, frz. socialisme]: 1. <o. Pl.> (nach Karl Marx die dem Kommunismus vorausgehende) Entwicklungsstufe, die auf gesellschaftlichen od. staatlichen Besitz der Produktionsmittel u. eine gerechte Verteilung der G√ľter an alle Mitglieder der Gemeinschaft hinzielt: der real existierende S. (DDR; der [in den sozialistischen L√§ndern] verwirklichte Sozialismus); den S. aufbauen; der Kommunismus ist die h√∂chste Erscheinungsform des S.; das Leben im S. ist sch√∂n (Trommel 29, 1976, 7); unter dem S. leben; durch den √úbergang zum S. werde die Nationalit√§tenfrage sozusagen automatisch gel√∂st (NZZ 25. 12. 83, 6). 2. <Pl. selten> politische Richtung, Bewegung, die den gesellschaftlichen Besitz der Produktionsmittel u. die Kontrolle der Warenproduktion u. -verteilung verficht: der demokratische, b√ľrokratische S.; Wobei der S. (das sozialistische Lager) f√ľr sich in Anspruch nahm, die Interessen der ‚Äěarbeitenden Menschen‚Äú zu vertreten (Gruhl, Planet 68); Von den ... Eliten anderer Sozialismen (sozialistischer Systeme; Welt 10. 9. 76, 1).

Universal-Lexikon. 2012.

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